#Positionen

Einzelausstellung Caterina Draschan-Mitwalsky  
  Vernissage: 24. April, 19:00 Uhr
   Finissage: 8. Mai, 19:00 Uhr

Politische Statements finden sich im Alltag nicht nur in Tageszeitungen, sozialen Medien & den „offiziellen Kanälen“, sondern auf Kleidung, gedruckten T-Shirts, Postern, Flyern und Aufklebern.

Der Diskurs wird über Signale der Loyalitätsbekundung und tribalistischer Zugehörigkeit geführt; die Botschaften komplexer politischer, ökonomischer und sozialer Zusammenhänge laufen über Bildagitation, Symbolsprache und Codes.

Die Frage, die Franz West bei seiner Antrittsvorlesung in der Städelschule in Frankfurt 1992 stellte: Kann Kunst heute noch politisch sein?, von ihm damals ironisch an die Studentenschaft gestellt, ist virulent & aktueller denn je:

Von Israel bis Russland werden Konflikte im Diskursfeld der Kunst mit und ohne künstlerische Mittel ausgetragen. Testimonials von Schauspielern, Bekenntnisse von Übersetzern, Aktionismus auf Kunstuniversitäten spitzen die Debatten zu und sind teilweise die Speerspitze des Sagbaren, der später in den Mainstream eindringt, das Testfeld und der Exerzierplatz der Meinungen.

Wie sehr sich Erkenntnisgewinn aus diesen Hervorbringungen ziehen lässt, steht auf einem anderen Blatt. Wären hier Historiker & Soziologen besser gefragt als aktionistische Interventionen?

Die Strahlkraft & Deutungshoheit privilegierter Meinungsmacher ist jedoch nicht zu unterschätzen.

Caterina Draschan-Mitwalsky hakt hier in den Diskurs ein und bedient sich der aktuellen Mittel der diskursiven Stellungnahme mittels Kleidung, Plakat & Aufklebern, Sprühschablonen & Graffitis.

Es werden die aktuellsten Konflikte & Debatten, die wir in der realen wie medialen Auseinandersetzung finden, aufgegriffen & in Form von hochstilisierten Grafiken verhandelt.

Die Motive finden sich dann z. B. auf T-Shirts, als von Hand gefertigte Unikate, welche mit Präzision industrieller Massenware den Betrachter schon materiell und formal in die Irre führen: Was auf den ersten Blick aussieht wie ein Druck aus dem T-Shirt-Shop ist in Wahrheit ein Trompe L’oeil von Hand mit dem Skalpell aus Folie geschnitten und auf Taschen & T-Shirts geklebt.

Die Massenproduktion von Meinung, die schnelle Stellungnahme mit dem modischen Schal, ist hier formal ad absurdum geführt, ohne selbst aber auf eine Position zu verzichten.

Der Background der Künstlerin, der in Sprachwissenschaft & Rechtsgeschichte reicht, erlaubt den grafischen Interventionen eine inhaltliche Präzision & persönliche Stellungnahmen zum Zeitgeschehen, welche eine Vertiefung des Diskurses über das bloß Formale hinaus ermöglicht.

Kann Kunst heute noch politisch sein? Die Künstlerin beantwortet diese Frage mit Bildern & Bildsprache, sodass dieser Einleitungstext dies nicht mehr tun muss.

2- & 3-Dimensionales zum Weltgeschehen

Text: Thomas Draschan-Mitwalsky